Schluss mit der Gratiskultur, ihr Schmarotzer!

Die Bild, also der Döpfner, will exklusive Teile der Onlineversion der Bild jetzt kostenpflichtig anbieten. Bei Bild bedeutet kostenpflichtig, dass jetzt auch der Konsument mit Geld zahlen soll. Sprich, die „Wertschöpfung“ wird erweitert. Neben dem Jubel von dem Dieckmann gibt es ingesamt in der Medienwelt ein freudiges jauchzen. Wer, wenn nicht die Bild, könnten diesen Schmarotzern endlich wieder das Geld abknöpfen. Die machen das schon. Schließlich muss auch mal Schluss sein mit dieser unerhörten Gratiskultur. Liebe Internetnutzer, lernt endlich wieder Geld auszugeben, sonst ist Schluss mit Journalismus!

Das könnte jetzt verwirren, wenn die Bild, die ja schließlich den Journalismus durch Berichterstattung ersetzte, weil der Journalismus zu teuer war (und irgendwie auch tatsächlich der Arbeit ähnelte), davon redet, dass der Journalismus gefährdet sei. Sei’s drum. Versuchen wir es realistisch zu sehen. Wer liest online die Bild? Die, die

  1. auf Arbeit lange Weile oder
  2. zuviel Pause übrig haben

Laut Heise (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Fussball-als-Hebel-Axel-Springer-will-Geld-fuer-Bild-Inhalte-1871288.html) hat die Bild 273 Mio. Besucher im Monat, also pro Tag 9,1 Mio.  Das wären dann 4x  soviel, wie Leute, die die Bild kaufen, und das ist nur noch die Hälfte, wie zu Beginn der Gratiskultur. Bei der gedruckten Bild gilt aber der Grundsatz „Ein Pausenraum, eine Bild“, also durchschnittlich 5 Leser pro gedruckter Bild?

Mein Fazit aus dem Heise-Artikel endet in dem Zitat: „Sollte es gelingen, die Marke Bild auf Smartphones und Tablet-Computern gegen Bezahlung zu etablieren, wäre das nicht nur für Axel Springer der Beginn eines „Paradigmenwechsels“, weg von der sogenannten „Gratiskultur“ im Netz, wie Döpfner auch immer wieder erklärt.“ und das, obwohl der Dieckmann extra nach Amerika geflogen ist, um sich über neue Geschäftsmodelle zu informieren.

Lieber Herr Dieckmann und Herr Döpfner: Von wem kommt die Gratiskultur? Na, von wem kommt sie? Wenn ihr eure „Inhalte“ jahrelang feilbietet, dann sind die, die diese „Geschenke“ annehmen natürlich die bösen. Dieses undankbare Volk! Und das ausgerechnet jetzt, wo doch die Preise für Werbung so tief in den Keller rutschen!

Ich bin dafür, dass die RTL Group auch auf diese Idee kommt. Bitte!

Schlimmer finde ich nur noch den Jakob Augstein. Oder besser? Denn keiner konnte die tatsächlichen Lügen besser aufdecken und präsentieren. Daher unkommentiert die Best-of-JAugstein aus http://www.freitag.de/autoren/jaugstein/schluss-mit-kostenlos-warum-man-dem-springer-verlag-glueck-wuenschen-muss

  1. Der Rausch des freien Netzes ist vorüber. […] . Wir wissen jetzt, wenn sich nichts ändert, wird es guten Journalismus bald nicht mehr geben.
  2. Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Vielleicht ist unser Journalismus nicht gut genug. Sicher ist unsere Demokratie nicht gut genug. Aber das eine braucht das andere, und das Netz untergräbt beides.
  3. Wenn Journalismus eine Zukunft haben soll, muss der Leser zahlen. Aber der Leser hat im Netz das Zahlen für Inhalte verlernt.
  4. Die Verlage werden ihren Lesern den Unterschied zwischen Qualität und Quantität wieder beibringen müssen.
  5. Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben.
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