Wir haben die Wähler gehört …

Wahlen in Deutschland sind faszinierend. Also eigentlich die Politiker, welche sich nach den Wahlen zu Wort melden. Die Wahlen in Berlin waren aber noch ein Stück weiter faszinierend, da unüblicher Weise diesmal nicht nur Politiker und „Experten“ unter massiven Realitätsverlust, Optimismus-neu-definieren-Syndrom und wählerfeindliche Rhetorik litten.

Neue Definition von Optimismus: Die FDP ist bei den Wahlen in Berlin an der 5% Hürde gescheitert.

Da ich befürchten muss, dass ein Großteil der Leser den obigen Versuch eines historischen witzes nicht rechtzeitig nachvollziehen wird, erkläre ich ihn – natürlichnur aus respekt gegenüber meiner Leser und der Anerkennung meiner schlechten Witze … Fast aus allen Studios zur Wahl konnte man sehr früh hören, dass die FDP an der 5% Hürde gescheitert wäre.

Gescheitert? An der 5% Hürde GESCHEITERT? Die FDP? Wollen die Medien es jetzt wirklich den Politikern gleichmachen und die Wähler für dumm verkaufen? Schauen wir uns das Wahlergebnis einmal an. Die FDP erhielt 1,8% der Stimmen, was einen Verlust von 5,8% ausmacht. (Nebenbei: Ein Verlust von -5,8% ist sachlich schlicht falsch!). Die sonstigen haben 8,3% erhalten, bei einem Verlust von 5,4%. Wenn man sich das Wahlergebnis von Berlin anschaut, müsste man pro.Deutschland und die tierschutzpartei auch mit „an der 5% Hürde gescheitert“ erwähnen, von der NPD mal ganz abgesehen, aber sachlich erforderlich zu erwähnen.

Fast genauso abstrakt wirkt die Aussage der CDU, sie hätten ihr Wahlziel erreicht: Die Abwahl der rot-roten Regierung. Liebe CDU, das habt nicht ihr geschafft, sondern die FDP. Man braucht nicht viel fantasie, um die Leute zu beschreiben, die 2% der Wählerstimmverlustes der FDP ausmachen und die CDU wählen, denn von den Linken, SPD und sonstigen habt ihr bestimmt nicht die stimmen bekommen.

Zusammengefasst finde ich es eigentlich erschreckend, dass die Medien dann auch noch das gespielte Entsetzen der FDP in Demut demütig dem Wahlinteressierten Publikum zumuten. Wobei es vielleicht positiv zu werten ist, dass die FDP zwar wie immer die falschen, aber doch zumindest nicht die allzu beleidigenden Formulierungen verwendet. Mit Demut kann ich noch leben. Besser als die PIRATEN, die es geschafft haben, nicht nur den Medien, sondern auch den anderen Politikern vorzugaukeln, sie wären von ihrem Erfolg überrascht, denn im Gegensatz zu jenen, wissen die PIRATEN zwei elementare Dinge:

1.) Sie wissen, dass ihre 9% zum größten Teil Leute sind, die nicht wissen, was sie sonst wählen sollten und

2.) die PIRATEN sind nicht positiv überrascht sondern eher enttäuscht, denn über 40% haben nicht gewählt. Das sind wahrscheinlich die, die entweder Apple nicht mögen, kein Internet haben oder nicht wissen, was eine Wahl ist (bzw. ihre „Partei“ nicht auf dem Stimmzettel fanden). PIRATEN! Ihr wisst also, was ihr zu tun habt …

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